Der grüne Agenturteller

Wir als grüne Agentur haben uns vollkommen der Nachhaltigkeit verschrieben: grünes Hosting, grüner Strom, grüne Bank – so weit, so einfach und klar. Aber es geht weiter: Wir möchten eine nachhaltige Grundhaltung in allen Bereichen nicht nur denken, sondern auch im Alltag leben. Und so ist für mich persönlich eine Frage besonders wichtig: Was kommt bei uns auf den Teller?

Und so ist für mich persönlich eine Frage besonders wichtig: Was kommt bei uns auf den Teller?

Tierische Nahrung hat nachweislich eine schädliche Wirkung auf das Klima, und auch wenn der eine oder die andere nicht ganz auf das Stück Fleisch verzichten kann, so haben wir im Agenturalltag eine Verabredung gefunden: Stand heute haben wir im Team drei Veganerinnen, einen Vegetarier und drei Flexitarier. Für die Solidarität am Tisch und für unser globales Klima verzichten die drei Flexitarier bei allen unseren gemeinsamen Mahlzeiten auf Fleisch. Mal gibt es ein selbstgekochtes veganes Curry und mal gibt es zur Ratatouille nach Wunsch ein wenig Feta dazu. Sollte einmal keine Zeit zum Kochen sein, bestellen wir bei einem lokalen Biocaterer, der seine Gerichte mit regionalen und saisonalen Zutaten zubereitet. Das ist für uns der Kompromiss, mit dem sich alle wohlfühlen.

Für mich gibt es neben dem Klimaschutz viele weitere gute Gründe, vegan zu leben. Denn auch durch Milch und Eier sterben Tiere, selbst wenn das indirekt geschieht. Auch Modelle und Formulierungen wie “Schlachtung mit Achtung” können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Rinder fehlbetäubt werden und dabei lebendig ausbluten, Schweine bei lebendigem Leib abgebrüht oder Hühnern bei vollem Bewusstsein die Kehlen aufgeschlitzt werden. Solche Missstände decken zum Beispiel Soko Tierschutz oder auch Metzger gegen Tiermord e. V. regelmäßig auf.

Aber auch Arbeitsschutz und psychische Gesundheit von Menschen spielt beim Veganismus eine Rolle. In deutschen Schlachthäusern herrschen schlechte Arbeitsbedingungen, wenig bis kaum Arbeitsschutz, Menschen konsumieren Alkohol während der Arbeitszeit, um mit der psychischen Auswirkung der Massenschlachtung fertig zu werden. Sie bekommen weniger als den aktuellen Mindestlohn und oft sind es Gastarbeiter, die Tag für Tag die Tiere in Gaskammern treiben oder ihnen einen Bolzen in den Kopf jagen. Nach getaner Arbeit schlafen und wohnen sie in Sammelunterkünften unter prekären Bedingungen, ein wirkliches Leben haben sie nicht.

Wenngleich die Diskussion über Veganismus immer auch eine ethische sein wird, spielt der Umweltaspekt natürlich eine wichtige Rolle. Ein paar Fakten, die für mich gut veranschaulichen, worum es geht:

Effizienz von Fleisch

Rinder brauchen 85 % ihrer Kalorien für die Selbsterhaltung (sprich Bewegung, Wärme, Gehirn, etc.), und die restlichen 15 % Prozent können für das Zunehmen von Fleisch genutzt werden. Bei Schweinen liegt dieser Wert bei 33,3 %.

Milch und ihre Kalorien

Für einen Liter Milch müssen 300 – 500 Liter Blut durch die Eutervene fließen, sprich: Milch ist ein enormer Energieverzehrer. Wenn man davon ausgeht, dass eine 650 Kilo schwere Kuh 37,7 MJ/Tag benötigt, so werden für jedes Kilo Milch mit 3,5 % Fett 3,1 MJ  benötigt, was bei 30 Litern Milch einen Tagesmegajoulebedarf von 130,7 plus/minus tagesaktuellen Schwankungen ergibt. Dies ist ein enormer Energiebedarf, vor allem wenn man bedenkt, dass ein Liter Milch am Ende nur noch 0,267 MJ beinhaltet. Natürlich kann man jetzt nicht sagen, dass man die Kalorien, die hier verloren gehen, eins zu eins auf den Menschen übertragen könnte, da Rinder Pflanzen fressen, die für uns schlicht nicht verwertbar sind.

Soja und der Regenwald

Entgegen den Tatsachen hört man immer wieder, dass Vegetarier und Veganer für die Abholzung des Regenwaldes verantwortlich seien, da dort ja das Soja für Tofu und Co. angebaut wird. Dies ist allerdings mittlerweile offiziell widerlegt, da 75 % des Regenwalds für die Produktion von Soja gerodet wird, das am Ende zu Tierfutter verarbeitet wird. Lebensmittel für den Menschen, wie Sojadrinks, Sojasauce und Tofu, machen laut der Food and Agriculture Organization der UNO (FAO) nur sechs Prozent der weltweiten Sojaproduktion aus. Sojaöl und Soja in Kosmetik machen knapp 20 Prozent aus.

CO2-Ausstoß

Wenn man nur die Ernährungsweise betrachtet, so beträgt die durchschnittliche C02-Bilanz eines Veganers laut dem CO2-Rechner des Umweltbundesamts 940 kg. Die eines Vegetariers liegt bei 1.160 kg, die eines Fleischessers bei 1.760 kg. Somit hat man auch in Sachen C02 durch eine fleisch- und tierproduktfreie oder zumindest -reduzierte Ernährung ein hohes Potenzial, CO2 einzusparen.

Fazit

Die vegane Ernährung wird zwar nicht die Welt retten, da sowohl Klima, als auch Tierhaltung und Ernährung um einiges komplizierter sind, als dass man alle Auswirkungen in einen zweiseitigen Text packen könnte. Vor allem kann in diesem Zusammenhang – wie so oft – nicht einfach schwarz-weiß gesehen werden. Aber man kann sagen, dass ein reduzierter Konsum von Fleisch und tierischen Produkten oder sogar ein vollkommener Verzicht hierauf den ökologischen Fußabdruck erheblich senken kann. Dies gilt vor allem für die Industrieländer, da die Ernährung ihrer Einwohner eine weit größere Auswirkung hat als beispielsweise die eines kleinen Viehbauern in den Weiten von Namibia.

Kristin Mikeska

Kristin Mikeska

Kristin ist überzeugte Veganerin, unterstützt Lebenshöfe mit ihrer Kuh-Fotografie und hat schon fünf Rinder gerettet und an neue Besitzerinnen vermittelt.