Wer kennt das nicht: Im Urlaub viele schöne Fotos gemacht und die sollen jetzt am besten groß ausgedruckt an die Wand oder in ein Fotobuch. Nur leider sehen die gedruckten Bilder fast nie so aus, wie auf der Kamera oder wie sie am Computerbildschirm wirkten – zu dunkel, mit einem eigenartigen Farbstich oder die Motive sehen plötzlich ganz grell aus.
Woher kommen diese starken Farbabweichungen? Das habe ich mich früher oft gefragt. Für digital dargestellte Farben, also alle Farben auf Monitoren, Fernsehern und Smartphones, gibt es ein eigenes Farbmodell – den sogenannten RGB-Farbraum. Auf einem elektronischen Bildschirm liegen jeweils rote, grüne und blaue Lichtpunkte dicht nebeneinander, für das menschliche Auge einzeln nicht erkennbar. Diese Farben werden auch Lichtfarben genannt. Da Licht sich aber nicht drucken lässt, müssen diese Farbwerte in druckbare, plastische Farben „übersetzt“ werden. Und dabei entstehen bereits erste Abweichungen.
Hier kommt nun der Vierfarbdruck ins Spiel, auch Druckfarbraum CMYK genannt. Statt fertig angemischte Farben zu drucken, wird der gewünschte Farbton aus Cyan, Magenta, Yellow und Key gemischt. Mithilfe dieser vier Farbtöne können alle mit dem Auge wahrnehmbaren Farben dargestellt werden. Dafür werden Türkis, Magenta, Gelb und Schwarz einfach nacheinander übereinander gedruckt – die Menge des Farbauftrags bestimmt am Ende das Farbergebnis.
Aber auch die Oberflächenbeschaffenheit des Papiers und der Luftdruck können zu Farbabweichungen führen. Druckt man also das Markenrot von Coca-Cola auf ein weiches, offenporiges Papier, wird dabei ein anderer Rotton entstehen, als wenn man die gleiche Farbmenge zur selben Zeit auf ein gestrichenes Papier auftragen würde.
Starke Farbabweichungen im Druck sind für den privaten Gebrauch zwar tolerierbar, aber der Spaß mit der Farbe hört im professionellen Bereich schnell auf. Da Farben maßgeblich für den Wiedererkennungswert einer Marke verantwortlich sind, wird alles darangesetzt, möglichst bei jedem Druck einen exakt gleichen Farbton zu erzielen.
Um unabhängig von äußeren Einflüssen beispielsweise das immer gleiche Markenrot von Coca-Cola zu gewährleisten, wurden sogenannte Sonderfarben entwickelt.
Das Pantone Matching System (PMS) ist ein international verbreitetes Farbsystem, das vor allem in der Grafik- und Druckindustrie verwendet wird. Es wurde in den 1960er Jahren in New Jersey entwickelt und besteht aus 18 Basisfarben. Diese werden zu bestimmten Anteilen gemischt und ergeben so alle Farben des Systems. Pantone-Sonderfarben werden üblicherweise im Bereich des Corporate Designs verwendet, um Marken- und Firmenlogos einen weltweit einheitlichen Wiedererkennungswert zu verleihen.
Im Gegensatz zum Pantone-Farbsystem wurde in Deutschland das Farbmodell HKS, bestehend aus insgesamt 88 Basisfarben und 39 Farbnuancen, entwickelt. HKS ist lediglich regional verbreitet, hat keine internationale Relevanz und soll hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden.
Sie wollen eine Farbauswahl für das neue Firmenlogo oder Ihre Visitenkarten treffen? Dafür gibts dann die sogenannten Pantone-Farbfächer. Dort ist jede einzelne Farbe in gedruckter Form zu bestaunen. Die Fächer enthalten alle wichtigen Informationen über Farbnummer und -rezeptur bis hin zur Präsentation der Farben auf zwei Papiersorten. Dabei wird unterschieden zwischen „coated“ (gestrichenem) Papier und „uncoated“ (ungestrichenem) Papier. Die Preise für solch aufwendig hergestellte Farbfächer liegen locker bei 150 bis 300 Euro – da ist bereits die Farbauswahl eine kostspielige Angelegenheit.
Was wir heute gelernt haben? Das Thema FARBEN ist ein wahrer Dschungel, den es zu entwirren gilt. Neben der individuellen Wahrnehmung von Farbtönen spielt auch das Medium der Farbdarstellung eine wesentliche Rolle, wenn es um die Farbwirkung geht: RGB für elektronische Bildflächen, CMYK beim Vierfarbdruck und Sonderfarben wie Pantone und HKS, wenns ganz genau sein soll.
Und dabei tragen nicht nur die individuelle Farbwahrnehmung, sondern Außeneinflüsse wie Luftdruck und Papierbeschaffenheit und das sorgfältige Ausführen des Druckhandwerks dazu bei, ob wir am Ende nur noch bunt sehen oder eine Marke allein an ihrer Farbe erkennen.