Niemand interessiert sich für Dich

Social Media ist eine Illusion

Aufmerksamkeit 😉 Die Währung in Social Media. Und etwas, mit dem von vielen unklug umgegangen wurde. Über Social Media (Marketing) ist viel gesagt worden, aber ist es in einer nachhaltigen Welt noch souverän, kommerzielle Social-Media-Plattformen zu nutzen?  

Der Begriff Social Media ist für sich genommen schon absurd.

Gemeinsam einsam

Der Begriff Social Media ist für sich genommen schon absurd. Es sind Medienplattformen, die neben der Information auch vor allem der Kommunikation und Interaktion dienen sollen. Aber welche Kommunikation und Interaktion zu welchem Zweck wäre das? Und welche Nutzer:innen fragen sich diese Frage noch, wenn sie halb süchtig, halb gelangweilt ihre tägliche Dosis Social Media konsumieren? 

Zuerst, auch wenn es mittlerweile eine Binse ist: Wenn eine solche Plattform kostenfrei ist, ist als erstes zu prüfen, in welcher Form man selbst eher auf der Produktseite als auf der Benutzerseite der Plattform steht. Souverän online zu sein, bedeutet nicht unabhängig zu sein, sondern sich der jeweiligen Abhängigkeiten bewusst zu sein und darüber selbst zu entscheiden. 

Social Media ist heute oft privatwirtschaftlich betriebener öffentlicher (medialer) Raum. Wenn der öffentliche Raum, den wir nutzen, um Kontakte zu pflegen, die Welt kennenzulernen oder unsere Produkte und Dienstleistungen auf dem Marktplatz anzubieten, von wenigen Konzernen kontrolliert wird, haben wir einen wesentlichen Teil unserer (digitalen) Souveränität bereits abgegeben. Vor allem, wenn diese Konzerne ihr Reich lange mit geringer gesetzlicher Regulierung aufbauen konnten. 

Hier eine kurze Übersicht über die Alternativen zu diesen Marktplätzen:

Eine offene Welt, die Kommunikation und Interaktion ohne kommerzielle Auswertung erlaubt, und die LockIn (Einsperreffekte) erlaubt, ist das sogenannte Fediversum – ein föderiertes Universum verbundener Social-Media-Plattformen, die man mit einer selbstkontrollierten Identität nutzen kann. 

Alles im Internet beruht auf standardisierten Protokollen. Dezentralität als eines der Grundprinzipien des Internets wird verbunden mit der Möglichkeit, sich offen verbinden zu können. Bei Facebook müssen alle auf den Servern des Unternehmens registriert sein, Social-Media-Plattformen im Fediversum sind vernetzt, Identitäten und Informationen liegen bei einem von vielen Anbietern, können aber verbundenen werden, wenn die Nutzer:innen dies zulassen.  

Die Netzwerke, Webseiten oder Plattformen im Fediversum sind unabhängig voneinander, aber trotzdem ist eine Kommunikation und Interaktion wie auf einer konzern-kontrollierten Plattform selbstbestimmt möglich. Bekannte offene Plattformen sind Mastodon (eine Twitter-Alternative), Diaspora (Soziales Netzwerk) oder WT Social (Soziales Netzwerk mit Nachrichtenfokus).  

Durch wachsendes Bewusstsein, aber auch steigende gesetzliche Regulierung in Europa steigt der Anspruch an eine souveräne Nutzung von Social Media. Noch ist es für Unternehmen wichtig, auf Plattformen wie LinkedIn vorzukommen und ihre Kommunikation – je nach Zielgruppe – auf Facebook, Instragram, Tiktok, Twitter u. ä. zu verbreiten. Zu gutem Marketing gehört deswegen auch eine gut ausformulierte Leitlinie zur Pflege von Communities und Kommunikation in diesen Social-Media-Plattformen. Es macht Sinn, sich jetzt Gedanken zu machen, wie man in einer digital souveränen Gesellschaft als Unternehmen und Organisation öffentlich wahrgenommen werden möchte. Einige Behörden und Ministerien verlassen bereits kommerzialisierte Social-Media-Plattformen und bieten eigene Netzwerkknoten im Fediversum an, z. B. eigene Mastodon-Server. Ein digitaler Ort, den man kennen sollte, egal ob Elon Musk Twitter kaufen wird oder nicht. 

Bild von  Jens Best

Jens Best

Experte für digitale und nachhaltige Transformation in Gesellschaft und Wirtschaft und freier Mitarbeiter im Team Lindenfeld